Flora von München

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Myosurus minimus nach über hundert Jahren auf der Münchner Theresienwiese wiedergefunden, 20.4.2011
Flora von München-Exkursion unter Leitung von Franz Schuhwerk auf der Panzerwiese in München, 20.8.2008
Satellitenfoto der Region München

Das Projekt "Flora von München"

Die Pflanzenwelt wissenschaftlich zu erfassen und für die Öffentlichkeit aufzuarbeiten − diesen Anspruch hatte bereits 1893 der königliche Zahlmeister Georg Woerlein, ein Mitglied der Bayerischen Botanischen Gesellschaft, als er die Flora der Münchner Thalebene veröffentlichte. Schon damals waren Städte wie München wichtige Zentren der biologischen Vielfalt: mit ihrem Mosaik aus unterschiedlichsten Lebensräumen von Parks, Wäldern und Gewässern bis hin zu Friedhöfen, Gärten, landwirtschaftlichen Nutzflächen und Pflasterfugen.

Welche Pflanzen leben heute in München?

Dieser Fragestellung geht seit 2006 das Projekt "Flora von München" an der Botanischen Staatssammlung München nach, angestoßen vom leider 2013 verstorbenen Kurator Dr. Franz Schuhwerk und unterstützt von der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Die Projektgruppe besteht aus Botanikern und interessierten Laien, die einzeln oder bei Gemeinschaftsexkursionen alle wildwachsenden Pflanzenarten pro Rasterfeld (1,5 km x 1,4 km; 64stel der Topographischen Karten 1:25.000) notieren. Bei Zweifelsfällen werden einzelne Pflanzen gesammelt, gepresst und bei Bestimmungsabenden im Winterhalbjahr überprüft. Die Beobachtungsdaten fließen in einer Datenbank zusammen. Mehr Details zum Projekt sind bei Schuhwerk & Muhr 2006 zu finden.

Wie hat sich die Flora von München seit Woerleins Zeiten verändert?

Mit Unterstützung der Bayerischen Botanischen Gesellschaft werden seit 2014 auch historische Funde dokumentiert – aus alten Ortsangaben von Herbarbelegen oder aus der botanischen Fachliteratur. Die Herbarauswertungen in der Botanischen Staatssammlung München ermöglichen Rückschlüsse auf den Florenwandel während der letzten rund 200 Jahre.

„Work in Progress“

An Angaben wie „an der Landstraße von Haidhausen nach Berg am Laim“ oder „in einem Leinacker bei Forstenried“ ist unschwer abzulesen, dass viele historische Fundorte dem Flächenhunger der wachsenden Stadt oder der Nutzungsänderung zum Opfer gefallen sind. Auf der anderen Seite konnten sich „Neubürger“ etablieren, wie die Indische Scheinerdbeere (Potentilla indica), die Georg Woerlein 1893 noch nicht kannte. Der Schmetterlingsstrauch (Buddleja davidii) wird heute zunehmend wildwachsend auf Schotterflächen an Bahnstrecken, in Kiesgruben und an der Isar beobachtet, möglicherweise als Folge des Klimawandels. Eine derartige Dokumentation ist naturgemäß nie abgeschlossen, neue Fundmeldungen sind daher jederzeit willkommen!

Bearbeitungsstand und erste Ergebnisse

Rasterkarte (Vierundsechzigstel der TK 25) der bisher im Stadtgebiet Münchens kartierten Arten von Gefäßpflanzen

Bis Oktober 2015 waren für die 186 Rasterfelder über 116.000 Beobachtungsdaten erfasst. Pro Rasterfeld waren durchschnittlich 337 Arten nachgewiesen, in 36 Rasterfeldern sogar über 400 Arten. Besonders gut erfasst und auch besonders artenreich ist der Nymphenburger Park – hier liegt mit 662 Arten die bisher höchste Artenzahl pro Rasterfeld. Insgesamt sind im Stadtgebiet Münchens bisher 2.034 Pflanzenarten dokumentiert, davon sind 1.182 Arten einheimisch.

Zusätzlich wurden bis Januar 2016 über 75.000 historische Fundortangaben recherchiert: Neben rund 9.000 Literaturangaben wurden in der Botanischen Staatssammlung über 66.000 Herbarbelege aus München und Umgebung heraussortiert und ausgewertet. Etwa ein Viertel der historisch belegten heimischen Pflanzenarten ist heute bereits ausgestorben. Dafür sind bereits 852 exotische Pflanzenarten als „Neubürger“ (Neophyten) zu verzeichnen.

In den Berichten der Bayerischen Botanischen Gesellschaft wurden bereits erste Auswertungen veröffentlicht: Arbeitsprogramm der Flora von München und Teilprojekt Nymphenburger Park (Schuhwerk & Muhr 2006), neophytenreiche Pflanzengesellschaften in München (Springer 2008), Pflanzenarten der Münchner Friedhöfe (Dickoré et al. 2012), Flora der ehemaligen Deponie Puchheim (Dickoré & Springer 2014), Pflanzengesellschaften im Truderinger Wald (Springer 2014a).

Einzelbeobachtungen sowie kritische Anmerkungen zu einzelnen Sippen im Raum München wurden ebenfalls in den Berichten der Bayerischen Botanischen Gesellschaft publiziert: Dittrichia graveolens (Muhr 2006a); Linaria purpurea, Ficus carica, Tragus racemosus (Muhr 2006b); Artemisia verlotiorum (Cocora-Tietz & Tietz 2006); Euphorbia maculata, Iva xanthiifolia (zusammengestellt von Schuhwerk 2006); Achillea pratensis, Lychnis coronaria (zusammengestellt von Schuhwerk 2007); Clinopodium nepeta, Lamium argentatum (zusammengestellt von Schuhwerk 2008); Asplenium scolopendrium, Hyssopus officinalis, Lavandula angustifolia, Minuartia hybrida ssp. tenuifolia, Nepeta racemosa, Poa supina, Satureja montana, Vulpia myuros (zusammengestellt von Schuhwerk 2009); Euphorbia serpens, Sonchus palustris (zusammengestellt von Schuhwerk 2010); zahlreiche Neufunde und Bestätigungen zur Flora von München (zusammengestellt von Dickoré & Springer 2011); Funde aus dem Isartal (Springer 2011); Lonicera morowii (Dickoré 2013); Hieracium arvicola (zusammengestellt von Schuhwerk & Dickoré 2013); zahlreiche Funde im Großraum München (zusammengestellt von Springer 2014b, Springer 2015), Pulmonaria collina (Meierott 2015), erneut Clinopodium nepeta s.l. (Bräuchler 2015), zur Wiederansiedlung von Primula auricula var. monacensis (Bräuchler et al. 2015).

Flora von München-Datenbestand mit Stand März 2019 in den Datenbestand der AG Flora von Bayern integriert

Der Online-Viewer zur „Flora von München“ (Schuhwerk, ... & Dickoré 2018) macht den Datensatz dieses langjährigen Citizen Science-Projekts auf dem Stand April 2017 über Webbrowser für Recherchen und Korrekturen öffentlich zugänglich. Der Viewer erschließt über 150.000 Beobachtungs-, Herbar- und Literaturnachweise von ca. 3000 akzeptierten Gefäßpflanzensippen der MTB 7634 ... MTB 7936. Diese werden als interaktive Verbreitungskarten wahlweise auf feinem Raster, MTB-64tel (Stadt München) oder auf MTB-Quadrantenebene (Umland, historische Unschärfen) für vier Zeiträume und über unterschiedlichen Hintergrundkarten (z. B. Geologie) dargestellt. Anklicken der Rasterpunkte liefert standardisierte Einzeldatendätze und Statistiken.

Die zugrundeliegende Arbeitsdatenbank beruht auf der Zusammenführung und Pflege mehrerer RecorderD-Projekte (W. Braun, J. Ewald, B. Meyer, F. Schuhwerk, F. X. Winter) durch F. X. Winter. Diese wurden von B. Dickoré unter Mitwirkung des gesamten Teams in einer ms-access-Datenbank mit den Kartierungsdaten aller weiteren Mitarbeiter, Datenquellen (Herbar- und Literaturerfassung) und -formate zusammengeführt, weiter qualifiziert, korrigiert und standardisiert.

Unter Mithilfe des Teams der „Flora von München“ exportierte B. Dickoré eine ergänzte, korrigierte und normalisierte Version des „Flora von München“-Datensatzes auf dem Stand März 2019, im Umfang von 190.935 für die Flora von Bayern relevanter Datensätze (mit 46 Datenfeldern), die dann M. Ruff als "BFLmuenchencoll" in die DWB Datenbank-Installation der Bayernflora (BFL) importierte. Der gesamte Bestand ist seitdem auch für die „dynamische Datenhaltung“ der Bayernflora und über BiB öffentlich verfügbar.

Die AG Flora von Bayern dankt B. Dickoré und der gesamten AG Flora von München für diesen wertvollen Beitrag und trägt zum weiteren Austausch bezüglich der gegenseitigen Konsistenzpflege bei. Die zwischenzeitlich ebenfalls wesentlich weiter entwickelte Arbeitsdatenbank der Flora von München bildet die innovativ und hochgradig konsistent abgefragte Grundlage der Dokumentation sowie für die Systematischen Aufzählung und weitere Auswertungen des angestrebten Druckwerks.

Wie geht es weiter?

Viele Fragen sind noch offen: Welche Art wächst wo in München und warum? Welche Art ist selten, welche häufig? Wo sind die „Hotspots“ der Biodiversität? Wo kommen die seltenen Arten vor? Wie naturnah sind z. B. die großen Parks? Wo gibt es Zeigerarten für bestimmte Vegetationstypen oder Lebensräume? Welche Arten wachsen in meinem Stadtviertel, in meinem Park, an der Isar? Und, und, und....

Die gewonnenen Verbreitungsdaten eröffnen einerseits ein weites Feld für wissenschaftliche Auswertungen. Andererseits bieten sie eine essentielle Basis für den Naturschutz in der Stadt. München wird weiter wachsen und damit die Flächenversiegelung zunehmen. So gewinnt das Wissen über die Verbreitung von Pflanzen und Tieren immer mehr an Bedeutung für den Artenschutz und die Erhaltung der Lebensräume.

Die Flora von München wird von einem ehrenamtlichen Team erstellt, finanziell und inhaltlich unterstützt von der Bayerischen Botanischen Gesellschaft (BBG), der Botanischen Staatsammlung München und dem Lehrstuhl für Systematische Botanik und Mykologie der Ludwig-Maximilians-Universität unter Unterstützung durch die Elfriede und Franz Jakob Stiftung für Forschung am Lehrstuhl für Systematische Botanik und Mykologie. Die Flora von München wird auch in Buchform erscheinen, ein Ziel, das sich in der Ausarbeitungsphase befindet. Mit einem Erscheinen ist in den nächsten Jahren zu rechnen. Kritische Anmerkungen, Mitarbeit und Ergänzungen durch freiwillige MitarbeiterInnen, z.B. Botanik-interessierte Münchner BürgerInnen, sind willkommen. Bitte e-Mail an bernhard.dickoreatgmx.de.

Spenden sind hochwillkommen und steuerlich abzugsfähig: https://www.bbgev.de/beitritt.html

Kontakt

  • Dr. Bernhard Dickoré (bernhard.dickoreatgmx.de)

Termine

Aktuelle Termine können im Programm der BBG eingesehen werden. Außerdem kann man sie im Veranstaltungskalender des Wikis einsehen.

Karte aktueller Kartierungen

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Liste aktueller Kartierungen

Literatur

Bräuchler, C. 2015: Ergänzungen zu der Fundortliste für Clinopodium nepeta s.l. in Bayern. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 85, S. 136-137.
Bräuchler, C., Gröger, A., Krimmer, J. & Meimberg, H. 2015: Eine Perspektive für die Wiederansiedlung der Münchner Aurikel (Primula auricula var. monacensis). In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 85, S. 73–78.
Cocora-Tietz, G. & Tietz, S. 2006: Artemisia verlotiorum Lamotte, ein wenig beachteter Neophyt. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 76, S. 271–272 (http:/​/​www.​bbgev.​de/​berichte/​076_​2006/​bot_​kurzberichte.​pdf, abgerufen am 11. Februar 2015).
Dickoré, B. 2013: Lonicera morrowii A. Gray verwildert in München. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 83, S. 151–160.
Dickoré, B. & Springer, S. 2011: Neues zur Flora von München. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 81, S. 79–108.
Dickoré, B. & Springer, S. 2014: Neue Adventivflora auf historischem Grund der ehemaligen Deponie Puchheim bei München. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 84, S. 101–108.
Dickoré, W., Meyer, B., Rösler, S. & Maier, T. 2012: Die Frühblüher und weitere bemerkenswerte Pflanzenarten der Münchner Friedhöfe. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 82, S. 97–128.
Meierott, L. 2015: Pulmonaria collina W.Sauer – in Bayern nicht ausgestorben. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 85, S. 117–120.
Muhr, R. 2006: Der Klebalant (Dittrichia graveolens) in München. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 76, S. 268–269 (http:/​/​www.​bbgev.​de/​berichte/​076_​2006/​bot_​kurzberichte.​pdf, abgerufen am 11. Februar 2015).
Muhr, R. 2006: Einige mediterrane Pflanzen in München. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 76, S. 269–271 (http:/​/​www.​bbgev.​de/​berichte/​076_​2006/​bot_​kurzberichte.​pdf, abgerufen am 11. Februar 2015).
Schuhwerk, F. 2006: Floristische Kurzmitteilungen. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 76, S. 273–278 (http:/​/​www.​bbgev.​de/​berichte/​076_​2006/​bot_​kurzberichte.​pdf, abgerufen am 11. Februar 2015).
Schuhwerk, F. 2008: Floristische Kurzmitteilungen. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 78, S. 177–180 (http:/​/​www.​bbgev.​de/​berichte/​078_​2008/​floristische_​kurzmitteilungen.​pdf, abgerufen am 6. Februar 2015).
Schuhwerk, F. 2009: Floristische Kurzmitteilungen. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 79, S. 155–160 (http:/​/​www.​bbgev.​de/​berichte/​079_​2009/​147_​160.​pdf, abgerufen am 6. Februar 2015).
Schuhwerk, F. 2010: Floristische Kurzmitteilungen. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 80, S. 177–182.
Schuhwerk, F. & Dickoré, B. 2013: Floristische Kurzmitteilungen. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 83, S. 201–204.
Schuhwerk, F. 2007: Floristische Kurzmitteilungen. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 77, S. 211–213 (http:/​/​www.​bbgev.​de/​berichte/​077_​2007/​floristische_​kurzmitteilungen.​pdf, abgerufen am 6. Februar 2015).
Schuhwerk, F. & Muhr, R. 2006: Flora von München – ein Arbeitsprogramm. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 76, S. 213–220 (http:/​/​www.​bbgev.​de/​berichte/​076_​2006/​213-220_​flora_​von_​muenchen.​pdf, abgerufen am 6. Februar 2015).
Springer, S. 2014: Botanische Kurznotizen zur "Flora von München". In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 84, S. 161–168.
Springer, S. 2008: Neophytenreiche Pflanzengesellschaften in München – Ein Beitrag im Rahmen des Projektes "Flora von München". In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 78, S. 129–142 (http:/​/​www.​bbgev.​de/​berichte/​078_​2008/​neophyten_​muenchen.​pdf, abgerufen am 6. Februar 2015).
Springer, S. 2011: Vor den Toren der Stadt – Pflanzen des Isartales. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 81, S. 152–155.
Springer, S. 2014: Pflanzengesellschaften im Truderinger Wald in München. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 84, S. 109–130.
Springer, S. 2015: Botanische Notizen zur Flora von München. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 85, S. 142–150.
Woerlein, G. 1893: Die Phanerogamen- und Gefäss-Kryptogamen-Flora der Münchner Thalebene mit Berücksichtigung der angrenzenden Gebiete. Nebst Aufzählung der sämtlichen von Garcke in seiner Flora von Deutschland 1890 angeführten Arten und Varietäten. In: Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Bd. 3, S. 1–215.